Haltepunkt Schwarzerd

„Herr Schaffner, Schwarzerd ist aber ein komischer Name für eine Haltestelle!“

„Jetzt weiß ich immer noch nicht, was Torf ist.“

„Und warum gerade hier?“

„Hochmoor? Sind wir hier so hoch?“

„Da fällt mir doch gleich die Moorleiche ein. Die soll doch auch nach langer Zeit noch gut erhalten sein, wenn sie gefunden wird, oder?“

„Brrrr – schaurig! Da gefällt mir der Schmetterling hier schon viel besser.“

„Ach, es geht ja schon weiter …“

Schwarzerd war Zustiegstelle für Leute aus dem Wengener Tal und Verladestation von Vieh, hauptsächlich aber von Torf aus dem angrenzenden Torfwerk.

Torfstechen früher bis zu den 60er Jahren in einem entwässerten Hochmoor.

Das benachbarte Breitenmoos ist ein typisches Hochmoor mit gehölzfreiem, zentralem Bereich und bewaldetem Rand.

Moorbewohner sind gut angepasst an die unwirtlichen Bedingungen eines Hochmoores. Typische Bewohner sind Hochmoorgelbling, Hochmoor-Bläuling, Sonnentau und Scheidiges Wollgras.

Torfmoose wachsen nach oben und sterben an ihrer Basis ab, daraus wird Torf gebildet. Die entstehende Torfschicht wächst 1 mm pro Jahr oder 1 m in 1000 Jahren. So entstanden in Hochmooren nach der letzten Eiszeit mehrere Meter mächtige Torfschichten.

Kohlenstoffdioxid, das in Torf gebunden ist, wird durch Verbrennung von Torf oder Entwässerung von Mooren freigesetzt. 8 % des in Bayern klimawirksam emittierten Kohlenstoffdioxids stammt aus entwässerten Mooren. Moorschutz ist praktizierter Klimaschutz.

Torfabbau und Torfnutzung, Flora und Fauna…. Was hat ein Moor mit Klima zu tun?

Torf entsteht in Mooren unter Luftabschluss aus abgestorbenen Pflanzen.

Torfsoden wurden früher gestochen, getrocknet und dann als minderwertiges Brennmaterial verwendet.

Zur Torfgewinnung wurden zunächst Gräben gezogen, um das Moor zu entwässern.

Dann wurden Torfblöcke gestochen und in „Regalen“ in der Sonne getrocknet. Durch Entwässerung und Abbau werden Moore jedoch zerstört.

Entstehung des Hochmoors

Hochmoore entstehen ausschließlich in sehr niederschlagsreichen Gebieten und über mehrere Zwischenstufen.

Im Moorwasser lagert sich Jahr für Jahr eine nur wenige Millimeter dicke Schicht bestehend aus Torfmoos ab, die unter Luftabschluss nicht kompostieren kann. Es bildet sich Torf. Im Gegensatz zum Flachmoor (Niedermoor) ist der Name Hochmoor von der Mächtigkeit der Torfschicht abgeleitet. Voraussetzung für die Entstehung von Hochmooren sind hohe Niederschlagsmengen und niedrige Jahresdurchschnittstemperaturen.

Bedingungen im Hochmoor

Der Torf in einem Hochmoor ist kalt, fast so sauer wie Essig und nahezu frei von Sauerstoff. Abgestorbene Tiere und Pflanzen wie Torfmoose werden dadurch konserviert wie eine Essiggurke. Die Bedingungen in einem Hochmoor sind für die meisten Lebewesen ungeeignet. Nur spezialisierte Pflanzenarten wie der Sonnentau können im nährstoffarmen Hochmoor überleben.

Der Sonnentau fängt kleine Insekten und macht daraus seinen eigenen Stickstoffdünger. Das Hochmoor wird auch Regenmoor genannt, da Wasser und Nährstoffe nur über den Regen ins Moor gelangen.

Flora und Fauna im Hochmoor

Wegen der lebensfeindlichen Bedingungen im Hochmoor trifft man dort nur wenige, dafür sehr spezialisierte Tier- und Pflanzenarten an. Im Hochmoor leben Kreuzotter…

kälteliebende „Eiszeitrelikte“ wie Hochmoor-Bläuling…

…fleischfressende Pflanzen wie Sonnentau…

…und Arten wie das Scheidige Wollgras, das Dir anzeigt, dass Du Dich in einem Hochmoor befindest.

Moore und Klimawandel

Kohlenstoffdioxid (CO2) wird von Torfmoosen aus der Atmosphäre aufgenommen und daraus Pflanzenmaterial aufgebaut. Hochmoore binden riesige Mengen an CO2, mehr als die Wälder der Erde. Zehn Zentimeter Torfauflage im Moor entsprechen in etwa der CO2-Menge, die ein 100-jähriger Waldbestand auf der gleich großen Fläche zu binden vermag. Bei der Zerstörung von Mooren, z. B. durch Torfabbau und Entwässerung, wird das gebundene CO2 wieder freigesetzt.

Das nahegelegene Naturschutzgebiet Breitenmoos, Schönleitenmoos, Wasenmoos, Wolfgartenmoos, Langenmoos und andere Moore im Wirlinger Wald sind Moore von nationaler und internationaler Bedeutung sowie wichtige Biotoptrittsteine. Kälteliebende Tier- und Pflanzenarten reagieren sehr sensibel auf eine Temperaturerhöhung durch den Klimawandel. In einem intakten und zusammenhängenden Biotopsystem von Mooren und Streuwiesen können diese Eiszeitrelikte in höhere und deshalb kühlere Lagen ausweichen.

Da CO2 hauptverantwortlich für den Klimawandel ist, werden zerstörte Moore renaturiert. Durch den Bau von Dämmen oder das Verschließen von Gräben wird der Abfluss von Wasser verzögert und damit die Regeneration des Moores gefördert. Wasser sammelt sich wieder im Torfkörper und die Freisetzung des Klimagases wird gestoppt. Nach erfolgreicher Renaturierung wird sogar wieder CO2 aus der Atmosphäre durch Torfmoose entfernt und im Torf gebunden. Moorschutz ist also ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.
Die kaskadenartigen Dämme entlang der Bahntrasse verhindern ein „Auslaufen“ des Breitenmooses. Die dazwischenliegenden Tümpel sind Lebensraum für Amphibien und andere Tiere. Neben derartigen Renaturierungsmaßnahmen organisiert der Landschaftspflegeverband Oberallgäu-Kempten beispielsweise auch Streuwiesenmahd und Entbuschungen zur Optimierung des Lebensraumes klimasensibler Arten.